< Bibelanfrage zu Titus
F: Wie lautet eine Gliederung des Titusbriefes in Tt 1,1?
A: Hier ist eine Gliederung.
1,1–4 Gruß
1,5–16 Ernennung von Ältesten gegen falsche Lehrer
. 1,5–9 Ernennung der Ältesten, Voraussetzungen und Aufgaben
. 1,10–16: Abwehr gegen falsche Lehrer
2:1–15 Wie und warum wir uns verhalten
. 2:1–10 Anweisungen für verschiedene Lebensphasen
. 2:11–15 Unser Verhalten auf Gottes Gnade gegenüber uns gründen
3:1–11 Den Fokus auf Gehorsam richten und Streitigkeiten vermeiden
. 3:1–8 Mahnung zum Gehorsam und zur Bereitschaft
. 3:9–11 Vermeiden Sie törichte Spaltungen
3:12–15 Persönliche Botschaften
F: Was ist an Paulus’ Selbstbeschreibung in Tit 1,1 besonders interessant?
A: Von all dem, was Paulus zu Titus hätte sagen können, hat er hier nur zwei Dinge hervorgehoben.
Paulus war ein Sklave, ein Knecht, der unter einer Autorität stand. Paulus verwendet stets den Begriff „Diener Jesu Christi“, außer an dieser Stelle, an der er sagt: „Diener Gottes“.
Paulus war ein Apostel, ein Gesandter, der Autorität besaß.
Dies ist passend, da viele der Themen, die Paulus von Titus auf Kreta behandelt haben wollte, mit Autorität zu tun hatten.
F: Haben Christen in Tit 1,2, Tit 3,7 und 1 Tim 6,16 bereits jetzt das ewige Leben, oder ist es lediglich die Hoffnung auf das ewige Leben nach dem Tod?
A: Beides; dies ist ein Beispiel für das „Schon-noch-nicht“-Paradoxon. Wir haben die sichere Verheißung und das fortwährende Dasein von jetzt bis in alle Ewigkeit. Allerdings müssen wir einige Dinge durchlaufen, wie den Tod und das Gericht vor dem Richterstuhl, bevor wir unsere ewigen, verherrlichten Leiber erhalten. Siehe auch die Antwort zu 1. Timotheus 6,16. Weitere Informationen zum Gericht vor dem Richterstuhl finden Sie in der Erörterung zu 1. Korinther 3,12–15.
F: Sollte es in Tit 1,2 heißen, dass Gott „nicht lügt“ oder „nicht lügen kann“?
A: Die wörtliche Transkription lautet: „der nicht lügt“. Zwar könnte das griechische Wort in diesem speziellen Vers in beide Richtungen ausgelegt werden, doch die Absicht von Titus 1,2 besagt, dass wir darauf vertrauen können, dass Gott Sein Wort nicht bricht. Auch Hebräer6:18 us sagt unmissverständlich, dass es für Gott unmöglich ist zu lügen.
F: Bedeutet „vor Anbeginn der Zeit“ in Tit 1,2, dass die Zeit, wie wir sie kennen, einen Anfang hatte, oder ist es lediglich eine Redewendung für „vor langer Zeit“?
A: Die Christen sind sich heute uneinig. Das Konzept, dass die Zeit einen Anfang hat, war jedoch antiken Schriftstellern wie Philo dem Juden (15/20 v. Chr. – 50 n. Chr.) bekannt, wie aus „Über die Schöpfung“, Kapitel 7 (26), S. 5, hervorgeht.
F: Wann hat Paulus in Tit 1,5 Titus auf Kreta zurückgelassen?
A: Paulus befand sich in Apostelgeschichte 27,7–9 auf Kreta. Viele sind jedoch der Ansicht, dass Paulus nicht genügend Zeit hatte, Titus dort zurückzulassen, und gehen davon aus, dass er erst danach nach Kreta reiste. Das würde bedeuten, dass Paulus zweimal in Rom inhaftiert war und dazwischen über nach Kreta reiste. Andererseits könnte Paulus Titus auf Kreta „zurückgelassen“ haben, ohne selbst dort anzulanden.
Über Titus ist nicht viel bekannt. Er wird lediglich in 2 Kor 2,13; 7,6.13.14; 8,6.16.23; 12,18; Gal 2,1–3; 2 Tim 4,10 erwähnt.
F: Was wissen wir aus Tit 1,5 über Kreta?
A: Kreta ist eine große Insel, etwa 160 Meilen (260 km) lang in Ost-West-Richtung und an ihrer breitesten Stelle 37 Meilen (60 km) breit in Nord-Süd-Richtung. Sie war schon lange vor Abraham besiedelt, und in 1. Mose 10,14 werden ihre Bewohner als Kaftoriter bezeichnet, abgeleitet von Kaftor, dem antiken Namen Kretas. Einige der Seevölker, später die Philister, stammten von ihnen ab. Kreta war eine bevölkerungsreiche Insel. Zur Zeit Homers (und Davids) gab es laut dem „Believer’s Bible Commentary“ (S. 2134) 90 bis 100 Städte. Heute leben dort etwa 630.000 Menschen.
Auf Kreta blühte von 2700 bis 1800 v. Chr. eine etwas geheimnisvolle minoische Zivilisation, die etwa zur Zeit Moses’ endete, als mykenische Griechen einfielen. Kreta war ein naheliegender Zwischenstopp für Schiffe, die von Zypern, Syrien und Judäa nach Rom und in die entgegengesetzte Richtung fuhren.
Die Kreter waren als Lügner berüchtigt; der griechische Begriff „kritizo“ („kretaisieren“) bedeutete „lügen“. Titus stand vor einigen Herausforderungen. Doch wie wir musste auch Titus bedenken, dass der Kampf nicht sein eigener, sondern der des Herrn war.
F: Warum sollte die Gemeinde Christi in Tt 1,5.10.12 durch uns gestärkt werden müssen?
A: Gott wirkt zwar in der Gemeinde, doch er bedient sich dabei in der Regel der Menschen als Mittel seines Wirkens. Wir neigen dazu zu glauben, dass die frühen Gemeinden keine Probleme hatten. Doch die Gemeinden in Korinth, in Galatien, auf Kreta und sechs der sieben Gemeinden in der Offenbarung zeigen, dass dies eine rosarote Brille ist, durch die wir sie betrachten. So wie ein Haus Probleme mit Baufälligkeit, Termiten und dem Fundament haben kann, gibt es in einer Gemeinde mindestens drei Arten von Stärkung, die erforderlich sein können.
a) Titus 1,5 zeigt, dass es selbst in einer wahren Gemeinde Dinge geben kann, die schmerzlich fehlen.
b) Titus 1,10 zeigt, dass es innerhalb der Gemeinde selbst Hindernisse geben kann, die von Satan gesandt werden, um die Gemeinde anzugreifen.
c) In Titus 1,12 erinnert uns die Aussage über die Kreter daran, dass eine bestimmte Kultur oft anfälliger dafür ist, bestimmte Sünden zu begehen oder zu übersehen als andere. Gemeindeleiter müssen die Gemeinde in dieser Kultur zu den zeitlosen Wahrheiten Jesu Christi zurückrufen.
F: Wann ist laut Tit 1,5 eine Organisation in einer Gemeinde notwendig, und wann kann etwas überorganisiert sein?
A: Offensichtlich wollte Gott eine gewisse Organisation; Paulus wies Titus in Titus 1,5 an, in jeder Gemeinde Älteste zu bestellen. Älteste/Aufseher/Presbyter in der Gemeinde werden in Apostelgeschichte 14,23; 15,2.4.6; 15,22.23; 16,4; 20,17; 20,28; 21,18; Philipper 1,1; 1. Timotheus 4,14; 5,17; Titus 1,5 sowie Jakobus 5,14. Ein einzelner Ältester wird in 1. Timotheus 3,1–2 und Titus 1,7 erwähnt.
Diakone werden in Philipper 1,1; 1. Timotheus 3,8–13 erwähnt. Diakoninnen werden in 1. Timotheus 3,11 erwähnt. Eine Organisation – sei es in einer Kirche oder in jeder anderen Organisation – kann in eine negative Richtung abgleiten, wenn sie Eigeninteressen auf Kosten der Organisation fördert, elitär ist und eine sich selbst erhaltende Hierarchie um ihrer selbst willen aufrechterhält. In der katholischen und der orthodoxen Kirche werden spätere Ämter wie Lektoren, Chorepiskopoi (ländliche Bischöfe oder Wanderprediger), Erzbischöfe, Kardinäle, Hochwürden, Metropoliten, Mönche, Äbte, Nonnen, Äbtissinnen, Ordensbrüder, Bettelmönche, Messdiener und Messdienerinnen, Päpste und Patriarchen an keiner Stelle in der Bibel erwähnt.
F: Was bedeutet in Tit 1,6, „nur eine Frau zu haben“ oder ein „Mann einer einzigen Frau“ zu sein?
A: Hier stellen sich vier Teilfragen: Polygamie, Scheidung, Wiederheirat und Zölibat. Offensichtlich ist jemand, der gleichzeitig mehr als eine Ehefrau hat, ein „Mann mit mehreren Frauen“. Ein Mann, der gesündigt hat, indem er sich entschlossen hat, sich von seiner Ehefrau scheiden zu lassen (außer im Falle von Ehebruch), und anschließend eine andere Frau geheiratet hat, könnte ebenfalls kein Ältester sein. Abgesehen von diesen offensichtlichen Fällen gibt es Meinungsverschiedenheiten.
Kirchengeschichtler erwähnen, dass Petrus verheiratet war und dass Petrus auch nach der Auferstehung Christi verheiratet blieb. Als Petrus’ Frau den Märtyrertod starb, rief er ihr aus der Menge zu: „Denk an den Herrn!“ Da Petrus jedoch wahrscheinlich bereits verheiratet war, bevor dies niedergeschrieben wurde, ist dies hier nicht relevant.
Viele frühchristliche Bischöfe lebten im Zölibat.
In den östlich-orthodoxen Kirchen kann ein Priester verheiratet sein oder ein Gelübde der Ehelosigkeit ablegen. Ist ein Priester jedoch verheiratet und stirbt seine Frau, ist es ihm nicht gestattet, wieder zu heiraten und weiterhin als Priester zu wirken.
In bibelorientierten Gemeinden kann eine Frau Pastorin für Frauen und Kinder sein. Für beide Geschlechter gilt in bibelorientierten Gemeinden jedoch, dass ein Pastor als untadelig gilt, wenn der Ehepartner sich von ihm scheiden ließ, nicht jedoch, wenn der Pastor sich vom Ehepartner scheiden ließ (außer im Falle von Ehebruch).
Unter Christen herrscht Uneinigkeit darüber, ob eine Person diese Voraussetzung erfüllt, wenn sie nach dem Tod ihres Ehepartners wieder heiratet.
F: Kann man gemäß Tit 1,6 Ältester sein, wenn man keine Kinder hat?
A: Ja, manchmal sind Menschen nicht in der Lage, Kinder zu bekommen. Viele frühchristliche Bischöfe hatten weder eine Ehefrau noch Kinder.
F: Ist ein Ältester gemäß Tt 1,6 disqualifiziert, wenn erwachsene Kinder untreu sind, oder gilt dies nur für Kinder, die unter seinem Dach leben?
A: Die Christen sind sich uneinig. Der „Believer’s Bible Commentary“ (S. 2136) besagt, dass nur Kinder gemeint sind, die unter elterlicher Obhut im Haushalt leben.
F: Warum unterscheiden sich Tt 1,6–8 und 1 Tim 3,2–7 geringfügig hinsichtlich der Anforderungen an einen Ältesten?
A: Paulus gab zwei sich ergänzende Beschreibungen eines qualifizierten Ältesten, lieferte jedoch keine Definition eines qualifizierten Ältesten. Paulus legte keine erschöpfende Liste von Regeln fest, da in verschiedenen Zeiten und Kulturen möglicherweise auch andere Aspekte zu berücksichtigen sind. Vielmehr sollen christliche Leiter bei der Auswahl von Ältesten ihr gottgeführtes Urteilsvermögen einsetzen, und die Anforderungen in Titus 1,6–8 und 1. Timotheus 3,2–7 bilden zusammen eine Mindestliste, keine erschöpfende Aufzählung.
F: Sind in Tit 1,7 die Begriffe „Ältester“ und „Aufseher/Bischof“ in der Bibel austauschbar?
A: Ja. Die Gemeinde braucht gottesfürchtige Leiter, doch bedenken Sie, dass die Eigenschaften, die einen Mann im Geschäftsleben erfolgreich machen, nicht alle mit den Eigenschaften übereinstimmen, die jemanden für das Amt eines Ältesten tauglich machen, auch wenn es gewisse Überschneidungen gibt.
F: Wie kann Geld in Tit 1,7.11 und 1 Petr 5,2 „unrein“ sein?
A: Damit ist „unehrlicher Gewinn“ gemeint, nicht nur Diebstahl oder Raub. Dies kann sich auf alles beziehen, womit eine Person Gewinn aus etwas erzielt, das ihr nicht zusteht. Im Mittelalter gingen die Menschen mit einer Münze in der Hand zur Messe. Der Priester nahm die Münze entgegen und reichte ihnen eine Hostie. Oftmals erhielten die Laien keinen Wein; diesen tranken nur die Geistlichen. Keine Münze, keine Hostie. Es gab ein Problem, bei dem wandernde Ordensbrüder durch die Lande zogen, Messen feierten und Beichten abnahmen, wobei sie das Geld für den Ablass erhielten; die Priester mussten zusehen, wie ihre Einkünfte sanken, wenn die Ordensbrüder in der Nähe waren.
Menschen können auch nach unehrlichem Gewinn streben, der nicht direkt in Form von Geld vorliegt. Sie können nach Position und Macht streben, was zwar zu mehr Geld und einem höheren Gehalt führen kann, bei dem es jedoch eher um die Macht als um das Geld geht.
F: Was bedeutet in Tit 1,9 „am treuen Wort festhalten“ im Gegensatz dazu, dies nicht zu tun?
A: Über manche Dinge kann man verhandeln und Kompromisse eingehen, doch die Wahrheit des Evangeliums sollte nicht dazu gehören. Natürlich kann ein Versagen beim Festhalten bedeuten, die Wahrheiten des Evangeliums zu leugnen, wie zum Beispiel, dass es keinen Weg in den Himmel gibt außer durch Jesus. Ein Versagen beim Festhalten kann sich jedoch auch auf die Lehre beziehen, dass die Wahrheiten des Evangeliums bloße Meinungen oder nicht wesentlich seien.
F: Warum waren in Tit 1,10 die Gegner des Paulus so zahlreich?
A: Innerhalb so kurzer Zeit traten zahlreiche Menschen auf, um sich Paulus entgegenzustellen. Dies lag wahrscheinlich daran, dass Paulus so viel dafür tat, Menschen zu Christus zu führen, und Satan versuchte, so viele Menschen wie möglich zu mobilisieren, um sich Paulus entgegenzustellen. Ein Teil des Widerstands beruhte auf falscher Lehre, ein anderer Teil auf dem Wunsch, ein sündiges Leben zu führen, und bei einem weiteren Teil handelte es sich möglicherweise in erster Linie um keines von beiden, sondern lediglich um eine allgemeine Ablehnung von Autorität. Manchmal, wenn jemand in einer Sache sehr erfolgreich ist, gibt es böse Menschen, die ihn oder sie zu Fall bringen wollen, schon allein deshalb, weil sie nicht mit ansehen wollen, dass ein anderer Erfolg hat.
Frage: In Tit 1,11: Inwiefern richtet die Verbreitung falscher Lehren Schaden an?
A: Selbst wenn es sich nicht um eine seelenvernichtende Irrlehre handelt, kann sie Christen verwirren und die Gemeinde spalten. Wenn es heißt, man müsse ihnen den Mund verschließen, müssen sie aus der Gemeinde ausgeschlossen werden. Selbst wenn sie Christen sind: Wenn sie durch ihre falsche Lehre Gottes Herde zerstreuen, sollten sie ausgeschlossen werden.
F: Wie verstehen Calvinisten und Nicht-Calvinisten in Tit 1,11 diesen Vers und das Angebot des Evangeliums an alle?
A: Einige Calvinisten vertreten die Ansicht, dass das Evangelium nicht allen angeboten wird. Der Hypercalvinist A. W. Pink schreibt in „The Sovereignty of God“: „Was den Charakter und den Inhalt des Evangeliums betrifft, herrscht heute äußerste Verwirrung. Das Evangelium ist kein ‚Angebot‘, das von evangelistischen Hausierern herumgereicht wird. Das Evangelium ist keine bloße Einladung, sondern eine Verkündigung, … Niemand wird aufgefordert zu glauben, dass Christus speziell für ihn gestorben ist. … Das Evangelium lautet, kurz gesagt, wie folgt: Christus starb für Sünder, Sie sind ein Sünder, glauben Sie an Christus, und Sie werden gerettet werden.“ (S. 209, Kursivschrift im Original). Beachten Sie hier die Feinheit: Da Christus für Sünder gestorben ist und Sie ein Sünder sind, könnte ein Sünder leicht denken, Christus sei für ihn gestorben. Pink ist jedoch tatsächlich der Ansicht, dass Christus für einige Sünder gestorben ist, zu denen Sie gehören können – oder auch nicht. Um Pinks Sichtweise zu vervollständigen: Pink glaubte an die Verkündigung des Evangeliums (ebenda, S. 210) und daran, dass wir bei der Verkündigung und bei der christlichen Arbeit aktiv und nicht fatalistisch vorgehen sollten.
Nicht-Calvinisten und andere Calvinisten glauben, dass das Evangelium allen angeboten wird. Der folgende Auszug stammt aus einer Broschüre eines Calvinisten.
In der Broschüre „Sinners, Jesus Will Receive“ heißt es im Vorwort von James Boice: „Nach der heutigen Denkweise der Hyperkalvinisten muss Jesus einen Fehler begangen haben, als er Nikodemus so ausführlich das Evangelium erklärte, wie es in Johannes 3 überliefert ist. … Nikodemus war nicht wiedergeboren. Nach der Denkweise dieser Personen hätte Jesus das Gespräch also an dieser Stelle beenden müssen. ‚Komm später wieder, wenn du wiedergeboren bist‘, hätte er sagen sollen … Jesus wusste genau, was er tat. … Pastor Bill Payne aus Kanada weiß dies und wünscht sich, dass auch alle anderen Calvinisten es wüssten; deshalb hat er diese kleine Broschüre verfasst. Insbesondere betrübt es ihn, dass so viele gute Theologie dazu nutzen, um unsere Verantwortung als Christen zu untergraben, das ebenso gute Werk zu tun, Sünder einzuladen, zu Jesus Christus zu kommen.“
William Payne schreibt in seiner Broschüre „Sinners, Jesus will Receive“ auf Seite 23: „Das Problem, das Gleichgewicht zwischen dem reformierten Glauben – zu dem auch die Lehre von der begrenzten Sühne gehört – und dem universellen Angebot zu wahren, zeigte sich auch in England. Dies lässt sich an der Geschichte von Andrew Fuller erkennen, einem der großen Namen, der in der Missionsarbeit für immer mit William Carey verbunden ist. Fuller, der 1754 geboren wurde, war unter einem geistlichen Einfluss aufgewachsen, der von einer Predigtart geprägt war, die nicht an das universelle Angebot glaubte. Es handelte sich, wie es jemand formulierte, um „Predigten nach Art von Gill“. Fuller wurde im Alter von 21 Jahren zum Pastor berufen und fand zu Beginn seines Dienstes Halt in den Schriften von Bunyan und Gill. Er erkannte jedoch bald, dass es einen großen Unterschied zwischen den beiden Männern gab. Während beide fest an der calvinistischen Theologie festhielten, einschließlich der begrenzten Sühne, zögerte Bunyan offensichtlich nicht, alle Sünder überall dazu einzuladen, zu Christus zu kommen, während Gill so etwas niemals tun würde. Nach viel Gebet und Studium kam Fuller zu dem Schluss, dass Bunyan in dieser Hinsicht der Heiligen Schrift entsprach, Gill hingegen nicht. Fullers Überzeugungen führten schließlich dazu, dass er das berühmte Buch mit dem Titel *The Gospel Worthy of All Acceptation* verfasste, und es war eine direkte Folge dieses Buches, dass Carey mit dem Evangelium nach Indien ging … Wir möchten dieser kurzen historischen Skizze noch anmerken, dass Männer wie Boston und Fuller, als sie sich von der hyperkalvinistischen Position abwandten, in der es kein freies Angebot des Evangeliums gab, keineswegs zu Arminianern wurden!“ S. 23
Auf S. 22 sagt Payne: „Die Tatsache, dass der Hyperkalvinismus zu diesem Zeitpunkt einen Großteil der Church of Scotland erfasst hatte, wird dadurch belegt, dass die Neuauflage des *Marrow* großes Aufsehen erregte und von der Generalversammlung der Church of Scotland verurteilt wurde.“
Johannes Calvin selbst glaubte, dass das Evangelium allen angeboten werde. „Die Gnade Gottes wird den Gläubigen und den Ungläubigen gleichermaßen angeboten“, heißt es in der Broschüre *Sinners Jesus Will Receive* (S. 21). Nicht-
calvinistische Christen sind sich einig, dass das Heilsangebot des Evangeliums allen verkündet werden sollte.
F: Warum zitierte Paulus in Tit 1,12 aus einer nichtbiblischen Quelle?
A: Es stand Paulus frei, jedes wahre Sprichwort zu zitieren, das er wünschte. Weitere Informationen finden Sie in der Erörterung zu Apg 17,16–34.
F: Warum scheint Paulus in Tit 1,12 die Kreter zu beleidigen?
A: Paulus zitierte tatsächlich aus ihrer eigenen Literatur, nämlich von einem berühmten kretischen Dichter namens Epimenides (um 600 v. Chr.). Es handelt sich um denselben Epimenides, den Paulus in Apg 17,28 zitierte. Weder Paulus noch Epimenides meinten damit, dass kein einziger Kreter – einschließlich Epimenides selbst – jemals die Wahrheit gesagt hätte. Vielmehr neigten die Kreter dazu, zu lügen. Hier ist das Zitat, das Epimenides Minos, dem Sohn des Zeus, in den Mund legt.
„Sie haben dir ein Grab errichtet, o Heiliger und Erhabener – die Kreter, stets Lügner, böse Bestien, faulenzende Mägen! Doch du bist nicht tot; du lebst und bleibst für immer, denn in dir leben wir, bewegen wir uns und sind wir.“ (aus: M. D. Gibson, Hrsg., Horae Semiticae, S. 40, auf Syrisch).
Paulus ist hier weder humorvoll noch beleidigend. Die objektive Wahrheit ist, dass Menschen bestimmter Kulturen für bestimmte Sünden anfälliger sind. Manchmal gibt es eine genetische Grundlage, wie beispielsweise bei den nordamerikanischen Indianern und dem Alkoholismus, und manchmal gibt es in einer Kultur vorherrschende Sünden, die keinerlei genetische Grundlage haben, sondern auf äußere Faktoren zurückzuführen sind. So waren beispielsweise einst sehr viele Menschen in China opiumsüchtig, weil die Briten die Opiumkriege gewonnen hatten, um ihr vermeintliches „Recht“ auf den Opiumexport nach China zu schützen. Was sind Ihrer Meinung nach die vorherrschenden Sünden Ihrer Kultur?
Clemens von Alexandria (Stromata (193–202 n. Chr.), Buch 1, Kap. 14, S. 313) bestätigt die Worte des Paulus über die Kreter. Der griechische Begriff „kritizo“ („kretaisieren“) bedeutete laut „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 11, S. 433, „lügen“.
Auch der griechische Dichter Kallimachos äußerte sich sehr ähnlich. Athenagoras (177 n. Chr.) zitiert aus Kallimachos’ „Hymne an Jupiter“ 8 ff.: „Die Kreter lügen stets; denn sie, o König, haben dir, der du nicht tot bist, ein Grab errichtet.“ „A Plea for Christians“, Kap. 29, S. 145. Auch Origenes verwendet dasselbe Argument in „Origenes gegen Celsus“, Buch 3, Kap. 43, S. 481. Dieses Zitat ist interessant, da es eine Unstimmigkeit in der griechischen heidnischen Religion aufzeigt. Während die Kreter ein Grab errichteten, um den verstorbenen Jupiter zu ehren, wie könnte er dann noch verehrt werden, wenn er doch tot ist und sein Leichnam im Grab ruht? Wenn Jupiter nicht lebt, hat es keinen Sinn, ihn zu verehren oder um seine Hilfe zu beten. Wenn die Griechen jedoch glaubten, Jupiter sei wieder zum Leben erwacht, dann sollten sie die Auferstehung der Toten nicht für unmöglich halten. Im Grunde genommen handelt es sich also bei einer Form der Lüge um eine „institutionelle Lüge“, bei der die gesamte Kultur ausdrücklich etwas bekräftigt, von dem die gesamte Kultur weiß, dass es nicht wahr ist.
F: Was tun Sie in Tit 1,13, wenn die Menschen, denen Sie dienen, nicht allzu „vielversprechend“ erscheinen?
A: Wir sollten in Demut um Unterscheidungsvermögen beten. Einerseits wissen wir es nicht mit Sicherheit, denn Gott kennt ihre Herzen, nicht wir. Andererseits sollten Christen – wenn wir feststellen, dass es mehr Möglichkeiten gibt, dem Herrn zu dienen, als wir Zeit dafür haben – auf der Grundlage unseres besten Wissens an jene Orte gehen, an denen der Bedarf am größten ist und wo wir am meisten bewirken können. Doch anstatt als „Einzelkämpfer“ zu agieren, sollten Christen als Einheit zusammenarbeiten.
F: Auf welche jüdischen Fabeln bezieht sich Paulus in Tit 1,14?
A: Die Heilige Schrift gibt dazu keinen Hinweis. Wir wissen jedoch, dass die Juden über eine große Anzahl von Büchern mit Fabeln und Überlieferungen verfügten, die heute in den Apokryphen und Pseudepigraphen erhalten sind. Diese gehörten wahrscheinlich zu den Mythen, von denen Paulus Timotheus in 1. Timotheus 1,4 gebot, die Menschen anzuweisen, sie zu meiden. Als Christen sollten wir klar zwischen Gottes Wort und unserer Auslegung von Gottes Wort unterscheiden. Weitere Informationen hierzu finden Sie in Sprüche 30,5–6 und 1. Korinther 4,6.
F: In Tit 1,15 heißt es: „Für die Reinen ist alles rein.“ Was ist damit gemeint?
A: Dies trifft in mehrfacher Hinsicht zu.
Positiv betrachtet denken aufrichtige Menschen nicht ständig darüber nach, wie sie unehrlich handeln könnten, oder hegen den Verdacht, dass alle anderen aus unehrlichen Motiven handeln.
Andererseits könnte sich ein Mensch, ohne die Dinge gründlich zu durchdenken, in eine Lage bringen, in der er unter Verdacht gerät, etwas Böses zu tun, obwohl er dies nicht getan hat und es auch nicht seine Absicht war. Daher sollten wir selbst den Anschein oder die Form des Bösen vermeiden, wie es in 1. Thessalonicher 5,22 heißt. Zudem könnten sie gegenüber jemand anderem nicht misstrauisch sein, wenn sie es eigentlich sein sollten. Es kann ihnen schwerfallen zu erkennen, dass sich die betreffende Person im Einklang mit jemandem verhält, der aus Hintergedanken handelt.
In der Bergpredigt heißt es in Matthäus 5,8: „Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ Jesus hat uns jedoch in Matthäus 10,16f auch gesagt, wir sollen klug sein wie die Schlangen und arglos wie die Tauben.
F: Da in Tit 1,15 steht, dass alle Dinge rein sind, wie verhält es sich dann mit Marihuana, LSD, Erpressung, Vergewaltigung usw.?
A: Paulus sagt, dass alle nahrhaften Lebensmittel zum Verzehr zulässig sind. Menschen sollten sich keine bewusstseinsverändernden Drogen wie Kokain oder LSD injizieren oder einnehmen, genauso wenig wie sie Dung essen sollten.
F: Wie kommt es, dass manche Menschen in Tit 1,16 unfähig sind, etwas Gutes zu tun, und „für jedes gute Werk verworfen“ sind?
A: Wenn ihr Charakter eine Schande für Christus und die Gemeinde ist, werden selbst die guten Taten, die sie zu vollbringen versuchen, in den Augen der Welt nicht berücksichtigt. Bei manchen geht es nicht nur darum, was sie nicht wissen, sondern auch um die Dinge, an die sie glauben, die jedoch nicht wahr sind, sowie um die Dinge, die sie für wichtig halten, die es aber nicht sind. Wie es im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 2138 heißt: „Das Leben der falschen Lehrer war eher eine Verleumdung als eine Bibel.“
F: Wie sollte man gemäß Tit 1,16 mit Menschen umgehen, die der Kirche oder einer Organisation Schaden zufügen oder sie untergraben?
A: Sie sollten dabei ähnlich vorgehen wie in Matthäus 18,15–17, wenn Ihr Bruder gegen Sie sündigt. Versuchen Sie zunächst unter vier Augen, ihn zu korrigieren. Hoffentlich erkennen sie ihren Irrtum und erklären selbst anderen, dass sie Unrecht hatten und wie die richtige Sichtweise aussieht. Sollte dies jedoch nicht funktionieren, nehmen sie ein oder zwei weitere Personen als Zeugen mit und versuchen, ihm seinen Irrtum aufzuzeigen. Gelingt auch dies nicht, muss die gesamte Gemeinde davon in Kenntnis gesetzt werden, und die Person sollte – selbst wenn sie gläubig ist – aus der Gemeinde ausgeschlossen werden.
Das Vorstehende gilt sowohl für private als auch für öffentliche Angelegenheiten. Bei falscher Lehre sollte der Irrtum jedoch zusätzlich vor jenem Publikum aufgezeigt und widerlegt werden, vor dem der Irrtum ursprünglich gelehrt wurde. Wenn also der Irrtum in einer gesamten Sonntagsschulklasse oder während eines Gottesdienstes gelehrt wurde, sollte die Widerlegung – warum diese Person falsch gelehrt hat und wie die richtige Lehre lautet – vor der gesamten Sonntagsschulklasse oder der gesamten Gemeinde erfolgen.
F: Welche Beispiele gibt es in Tit 2,1 dafür, dass ein Christ etwas Unangemessenes sagen könnte?
A: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Christen versehentlich – oder nicht versehentlich, sondern aus Unachtsamkeit – etwas Unangemessenes sagen können.
Dinge, die andere zur Sünde verleiten.
Klatsch oder Verleumdung
Sich über das Christentum oder andere Christen lustig machen oder andere im Allgemeinen herabsetzen
Dinge, die Gott entehren oder Ihn nicht verherrlichen.
Denken Sie daran: In jeder Situation haben Sie immer die Möglichkeit, nichts zu sagen. Wie jemand einmal sagte: „Es ist besser, zu schweigen und für einen Narren gehalten zu werden, als den Mund aufzumachen und jeden Zweifel auszuräumen.“
F: Wenn Titus in Tit 2,2–6 die älteren Männer, die älteren Frauen und die jungen Männer selbst unterweisen soll, warum unterrichtet er dann nicht auch die jungen Frauen?
A: Die Bibel gibt dazu keine Auskunft. Christen haben diese „bewusste Auslassung“ jedoch bemerkt und können mindestens drei Gründe dafür erkennen.
1. Mögliche Versuchung für Titus.
2. Der Anschein des Bösen gegenüber anderen, selbst wenn sowohl Titus als auch die Frauen rein waren. (2. Korinther 8,21; 1. Thessalonicher 5,22)
3. Nicht nur eine Versuchung für die Frauen, sondern auch eine Ablenkung von Titus’ Lehre über die Wahrheit Gottes.
Als ich an der University of Texas studierte, hatte ich mir noch keine Gedanken über die Wahrheit gemacht, die sich hinter der „bewussten Auslassung“ im Titusbrief verbirgt. Einmal brachte ich eine attraktive christliche Frau in mein Zimmer im Studentenwohnheim, schloss die Tür und wir hielten gemeinsam eine Bibelstunde ab. Nachdem sie gegangen war, neckten mich die anderen Jungs (Nichtchristen) damit, was sie mir vorwarfen, allein mit dem Mädchen in meinem Zimmer getan zu haben. Etwa eine Woche später kam ein anderes Mädchen in mein Zimmer, und wir hielten eine Bibelstunde ab; die Jungs dachten dasselbe, trotz meiner Beteuerungen, unschuldig zu sein. In der folgenden Woche kamen beide Mädchen gemeinsam, und wie sie mir später sagten, war ich entweder ein ganz toller Typ oder vielleicht sagte ich doch die Wahrheit. Auch wenn sie mir schließlich voll und ganz glaubten, war es ein Fehler von mir, den Anschein des Bösen nicht vermieden zu haben.
In Titus 2,7 kommt das Wort „ihnen“ im Griechischen nicht vor. Titus soll also nicht ihnen [den jüngeren Männern] ein Vorbild sein, sondern [für alle] ein Vorbild sein.
F: Was wäre in Tit 2,6 der Unterschied zwischen zwei Christen, die einen guten christlichen Charakter haben, abgesehen davon, dass der eine selbstbeherrscht ist und der andere nicht?
A: Das griechische Wort „sophron/sophronas“, das in 1. Timotheus 3,2; Titus 1,8; 2,4 vorkommt, hat eine weit gefasste Bedeutung. Es bedeutet, nicht unter dem Einfluss von irgendetwas zu stehen, besonnen zu sein und Selbstbeherrschung zu üben. In Titus 2,12 beinhaltet dies, der Sünde „Nein“ zu sagen.
F: Warum sollten Sklaven gemäß Tit 2,9 ihren Herren gehorsam sein?
A: Die antiken Reiche basierten auf der Sklaverei, und sich der Sklaverei zu unterwerfen, war in der Regel die einzige Möglichkeit. Zwar waren manche Herren gütig, viele jedoch nicht. Angesichts der Tatsache, dass viele Christen Sklaven waren, würde es ihnen im Allgemeinen besser ergehen, wenn sie gehorchten, anstatt ungehorsam zu sein.
Dies ist auch ein konkreter Fall dessen, was Jesus allgemein in Matthäus 5,39 sagte: „Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.“ Auch 1. Petrus 2,18–25 spricht davon, dass Sklaven es unter ihren Herren aushalten sollen, selbst unter strengen. Siehe auch die Erörterung zu 1. Korinther 7,21–23.
F: Sollten Sklaven gemäß Tit 2,9 ihrem Herrn in allen Dingen gehorsam sein, auch in gottlosen Dingen?
A: Nein. Sie sollten durch ihren Gehorsam gegenüber ihren Herren ein Vorbild sein, durften jedoch Gott, der die höchste Autorität ist, nicht ungehorsam sein.
F: Warum wird Sklaven in Tt 2,10 ausdrücklich geboten, nicht zu stehlen oder zu entwenden?
A: Haussklaven befanden sich in einer Lage, in der sie Dinge stehlen konnten, ohne dass der Herr jemals erfuhr, welcher Sklave gestohlen hatte. Für einen Sklaven wäre es leicht gewesen, das Stehlen zu rechtfertigen: Da der Herr (auf Griechisch „Despot“) mich zwingt, sein Sklave zu sein, sollte ich etwas dafür zurückbekommen. Eine Rechtfertigung für die Sünde mag für den Betroffenen Sinn ergeben, ist aber vor Gott nicht akzeptabel.
F: Wie konnte in Tit 2,11 die Gnade, die das Heil bringt, den Menschen offenbar werden, da nicht alle gerettet werden – im Gegensatz zur Irrlehre des Universalismus?
A: Sie wurde allen Menschen auf Erden verkündet, doch das bedeutete nicht, dass sich alle dafür entscheiden würden, davon zu profitieren. Das kostenlose Angebot des Evangeliums soll allen vorgelegt werden, wie es Petrus in Apostelgeschichte 2,38 tat. Weinen Sie um die Verlorenen in Lukas 19,41? Siehe auch 2. Thessalonicher 2,8; 1. Johannes 2,2 und 1. Timotheus 4,10.
F: Wie konnte in Tit 2,11 die Gnade, die das Heil bringt, allen Menschen erscheinen, da doch nicht alle Jesus gesehen haben?
A: Das griechische Wort steht hier im Dativ und kann mit „allen Menschen“ oder „für alle Menschen“ übersetzt werden. Die Gnade, die das Heil bringt, kann allen Menschen auf mindestens drei Arten zuteilwerden.
1. Irgendwann werden alle Menschen auf der Erde von Jesus und dem Evangelium erfahren und eine Entscheidung treffen.
2. Sie wurde sogar den Verstorbenen verkündet, gemäß 1. Petrus 3,19 und 1. Petrus 4,6.
3. Im Tausendjährigen Reich werden alle auferstehen und von Jesus erfahren, gemäß Offenbarung 20,5.
F: Lehrt Tit2:13 , dass Jesus Gott ist?
A: Ja. Auch wenn der griechische Text mehrdeutig ist, ist der Inhalt eindeutig. Wie viele Erscheinungen gibt es, und welche Erscheinung ist Gott der Vater? Es gibt nur eine Erscheinung, und diese ist die von Jesus Christus, nicht die von Gott dem Vater. Grammatikalisch könnte der griechische Satz grob auf zwei Arten umschrieben werden:
(a) die Erscheinung von zwei: 1) unserem großen Gott und 2) unserem Erlöser, Jesus Christus. (zwei Wesen)
(b) das Erscheinen eines: unseres großen Gottes und Erlösers Jesus Christus. (ein Wesen)
Wäre jedoch die erste Auslegung zutreffend, wann würde dann Gott der Vater bei der Wiederkunft Christi erscheinen? Da sich alle einig sind, dass es Jesus und nicht der Vater ist, der bei der Wiederkunft Christi erscheint, war die ursprüngliche Bedeutung die zweite Auslegung und nicht die erste. Dies ist ein wichtiger Punkt, den man den Zeugen Jehovas vermitteln sollte.
Johannes Chrysostomos’ Griechisch war so beredt, dass er „Chrysostomos“ genannt wurde, was „Goldmund“ bedeutet. Vor seinem Märtyrertod im Jahr 407 n. Chr. schrieb er zu diesem Vers ebenfalls, dass sich dies keinesfalls auf ein „Erscheinen“ des Vaters beziehen könne.
Daher ist (b) richtig, und somit bezieht sich dies auf Jesus als Gott.
Frage: Wie konnten Titus und Timotheus in Tit 2,15 und 1 Tim 4,12 verhindern, dass jemand sie verachtete?
A: Soweit es möglich war, sollten sie sich dagegen wehren, dass entweder Mitchristen oder andere auf sie herabblickten, weil sie noch jung waren.
Paulus erwähnt dies an zwei Stellen, wobei er sich an zwei verschiedene Personen wendet; er sah darin also ein potenzielles Problem von Bedeutung. Als Paulus beschloss, Timotheus und Titus auszusenden, wählte er vielleicht nicht die beeindruckendsten Personen aus, aber Paulus musste dies auch nicht tun. Paulus wollte die besten Personen für diese Aufgabe auswählen. Manchmal können unser Dienst und unser Ansehen durch öffentliche Verachtung seitens anderer Menschen geschmälert werden. Sie sollten Ihren Ruf verteidigen, ohne sich dabei selbst in den Schlamm ziehen zu lassen.
F: In Tit 3,1 hatten die kretischen Christen wahrscheinlich bereits das meiste davon gehört. Wie können wir Menschen auf hilfreiche Weise an Dinge erinnern, die sie bereits wissen?
A: Sie können die Botschaft mit anderen Worten wiederholen. Seien Sie sich jedoch bewusst, dass es ganz unterschiedliche Wege gibt, eine Botschaft zu vermitteln. Sie können die Informationen in Form einer Gliederung darlegen oder Geschichten erzählen. Sie können Beispiele dafür anführen, wie man etwas befolgt, oder Gegenbeispiele von Menschen nennen, die sich nicht daran halten. Manchmal können Ihre Fragen tiefer in das Innere eines Menschen vordringen als Ihre Aussagen.
Versuchen Sie vielleicht herauszufinden, was sie sonst noch davon abhält, diesen Dingen zu folgen.
F: Sollten Christen gemäß Tit 3,1 und Röm 13,1 der Regierung stets gehorchen?
A: Nein. Die frühen Christen unterschieden zwischen dem, was sie scherzhaft als „rechtmäßige Gesetze“ und „unrechtmäßige Gesetze“ bezeichneten, wie beispielsweise Opfergaben an den römischen Kaiser. Sie befolgten alle Gesetze, die nicht gegen Gottes Gesetz verstießen, aber sie zogen den Tod vor, anstatt Gesetze zu befolgen, die gegen Gott gerichtet waren.
F: Wie kann es sein, dass wir – vielleicht versehentlich – in Tt 3,2 versäumen, allen Menschen Demut entgegenzubringen?
A: Zunächst, was nicht die Antwort ist, und dann die Antwort.
Nicht die Antwort: Tun Sie nichts, was Sie für respektlos halten. Das ist nur eine Teilantwort, denn es mag Dinge geben, die wir nicht als respektlos empfinden würden, wenn sie uns gegenüber geschehen, die andere jedoch als sehr respektlos empfinden. Etwas mag für uns keine große Sache und sogar lustig sein, aber jemand anderen zutiefst kränken.
Die Antwort: Behandeln Sie andere so respektvoll, wie sie es als respektvoll empfinden würden, solange dies Ihre Überzeugungen oder Ihre Botschaft nicht beeinträchtigt. Ein Beispiel dafür, wie wir unsere Botschaft nicht kompromittieren: Wenn jemand den Gründer seiner Religion als Propheten betrachtet und dieser eine falsche Religion gegründet hat, sprechen Sie nicht so, als würden Sie zustimmen, dass er ein Prophet ist. Sie können jedoch eine Person respektieren, ohne deren falsche Religion zu respektieren.
Seien Sie sanftmütig und höflich (1. Petrus 3,8), vergelten Sie Böses nicht mit Bösem, sondern segnen Sie (1. Petrus 3,9).
Ein Ansporn, anderen gegenüber geduldig zu sein, besteht darin, uns daran zu erinnern, wie töricht wir selbst waren, bevor wir im Herrn zur Reife gelangten, wie es im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 11, Seite 444, heißt.
Sagen Sie nichts, was den anderen herabsetzt. Manche Menschen machen sich vielleicht übermäßig viele Gedanken über ihr Aussehen, ihre sportlichen Fähigkeiten, ihre Intelligenz, ihr Wissen in einem bestimmten Bereich, ihren Besitz usw., und wenn Sie etwas sagen, das einen dieser Aspekte herabsetzen könnte, werden Sie vielleicht überrascht sein, wie sehr sie sich schon über eine Kleinigkeit aufregen. Und sagen Sie vor allem nichts Unbedachtes wie dies vor anderen.
Hören Sie sich deren Kritik an; Sie könnten sich irren. Manches davon mag zutreffen, manches völlig daneben liegen, und manches mag zwar daneben liegen, aber dennoch einen Teil enthalten, der stichhaltig ist. Ein Grund, warum manche Jesus ablehnten, war, dass er nicht ihrer Vorstellung von einem erfolgreichen Messias entsprach. Vielleicht entspricht jemand anderes nicht unserer Definition von Erfolg, aber das Problem könnte bei unserer Definition liegen.
Wenn Ihnen jemand etwas unter vier Augen und im Vertrauen mitteilt, brechen Sie dieses Vertrauen nicht und erzählen Sie es nicht weiter – es sei denn, es handelte sich um eine Frage von Leben und Tod oder eine andere schwerwiegende Situation.
F: Da wir in Tit 3,2 niemanden schlechtredend erwähnen sollen, warum hat Paulus dann Phygellus und Hermogenes (2 Tim1:15 ) sowie Hymenäus und Philetus (2 Tim2:17 ) schlechtredend erwähnt?
A: Paulus meinte damit nicht, dass man niemals negativ über jemanden sprechen dürfe, denn Jesus bezeichnete die Pharisäer in Matthäus 23,13–36 als Heuchler, Mörder und Schlangenbrut. Paulus, Johannes der Täufer und alle Propheten des Alten Testaments äußerten zutreffend viele negative Dinge über Menschen.
Die NIV übersetzt dies mit „verleumden“ Sie niemanden. Verleumdung ist negatives Reden, das falsch ist und entweder als falsch erkannt wird oder ohne Rücksicht darauf geäußert wird, ob es wahr ist oder nicht.
Negatives über jemanden zu sagen bedeutet, etwas zu sagen, was diese Person nicht von Ihnen hören möchte. Es gibt einen geeigneten Zeitpunkt und Ort dafür, und es gibt einen, an dem man dies nicht tun sollte. Wann sollten Sie also konkret etwas Negatives über jemanden sagen? Bevor Sie etwas Negatives über jemanden sagen, sollten Sie Ihre Worte „hüten“ und nichts sagen, wenn eine dieser vier Bedingungen nicht erfüllt ist.
Ist alles wahr (keine Verleumdung): Wissen Sie, dass alles wahr ist? Wenn es nur teilweise wahr ist oder ein Teil wahr ist und Sie nicht wissen, ob der Rest wahr ist oder nicht, dann sagen Sie es nicht. Wenn ein Teil wahr ist, der Kontext jedoch irreführend ist, dann ist es insgesamt nicht wahr.
Ist es hilfreich oder notwendig: Selbst wenn alles wahr ist – inwiefern ist es für eine dritte Person hilfreich oder nützlich, dies zu wissen? Wenn beispielsweise eine dritte Person im Begriff ist, ein Geschäftsverhältnis mit der anderen Person einzugehen, und diese Person sich in der Vergangenheit bei geschäftlichen Angelegenheiten unehrlich verhalten hat, wäre es für die dritte Person hilfreich, dies zu wissen. Wenn es für die dritte Person jedoch nicht hilfreich ist, etwas zu wissen – wie etwa eine Sünde aus der Vergangenheit, die die andere Person bereits bereut hat –, brauchen Sie das nicht zu erwähnen.
Möchte Christus, dass Sie das sagen: Ist dies etwas, von dem Jesus erwarten würde, dass Sie es sagen?
Wie ist Ihr Tonfall: Sprechen Sie die Wahrheit in Liebe oder aus einem anderen Grund? Wenn Ihr Tonfall falsch ist, wirft das, was Sie sagen, manchmal ein schlechteres Licht auf Sie selbst als auf die betreffende Person.
F: Bringt es in Tit 3,8 allen, einschließlich der Ungläubigen, Nutzen, wenn Christen Gutes tun?
A: Bei der Beantwortung sind vier Punkte zu berücksichtigen.
1. Paulus sagte in Titus 3,8, dass die Umsetzung seiner Lehre für „diejenigen, die Gott geglaubt haben“, von Nutzen sei.
2. Christen, die diese Dinge tun, kommen allen zugute, auch den Ungläubigen, und zwar in mindestens zweierlei Hinsicht. Das Leben eines Christen, das von beständigem Zeugnis geprägt ist, kommt den Ungläubigen zugute, indem es dazu beiträgt, sie zu Christus zu führen.
3. In der Praxis kommt es den Ungläubigen zugute, wenn Christen den Armen, Waisen und Unterdrückten helfen. In vielen Teilen Indiens beispielsweise wurden einst die meisten Krankenhäuser von christlichen Missionen und Kirchen gegründet.
4. Schließlich wirken Christen als Salz und Licht in der Gesellschaft (Matthäus 5,13–14). Licht bringt dunkle Dinge ans Licht, und Salz kann den Verfall bestimmter Dinge verlangsamen.
F: Was gilt in Tit 3,9 als törichte Fragen bzw. Streitigkeiten, und warum sollten wir diese vermeiden?
A: Fragen, die jemand stellt, um aufrichtig die Wahrheit über Gott zu erfahren oder die Wahrheit einer Sache zu prüfen, sind keine törichten Fragen. Wenn hingegen die Antwort auf eine Frage weder für den Fragenden noch für den Antwortenden von Bedeutung ist, kann dies Zeitverschwendung sein, die die Menschen von dem ablenkt, was sie eigentlich lernen sollten.
F: In Tit 3,9–11 und 1 Tim 6,4–5a diskutierte Paulus mit Pharisäern, Sadduzäern und griechischen Polytheisten, führte Debatten mit ihnen oder stand zumindest im Dialog mit ihnen. Worin besteht der Unterschied zwischen einem „törichten Streit“ und einem „sinnvollen Streit“?
A: Menschen streiten oft sinnlos, wenn sie den Blick für das Wesentliche verlieren. Eine Frage, die man sich stellen sollte, lautet: „Na und?“ Wenn es keinen Unterschied macht, ob die eine Seite Recht hat oder die andere, dann gibt es vielleicht wichtigere Dinge, über die Sie sprechen können.
Worte statt Bedeutung
Man siebt eine Mücke heraus und verschluckt dabei ein Kamel.
Wenn Methoden und Abläufe über spirituelle Realitäten gestellt werden
Sie legen Schriftstellen allegorisch aus, die keine Allegorien sind.
Zeit mit Nebensächlichkeiten verschwenden, während man das Wesentliche außer Acht lässt.
Gläubige, die sich so verhalten, stellen tatsächlich eine ernsthafte Bedrohung für die Kirche dar. Ist jemand kein Gläubiger, sondern ein Ketzer, der Menschen von Christus abbringt, sollte er aus der Gemeinde ausgeschlossen werden oder man sollte sich von ihm zurückziehen, wie es in 1. Timotheus 6,5 heißt. Doch in diesem Fall sollte sogar eine spaltende Person aus der Gemeinde ausgeschlossen werden, selbst wenn sie gläubig ist. Dies sollte durch die Ältesten der Gemeinde geschehen (nicht nur durch eine einzelne Person). Zuvor sollten sie die betreffende Person verwarnen und versuchen, sie zu korrigieren.
F: Sollten in Tt 3,10 Gemeindemitglieder, die in Sünde leben, in Demut zurechtgewiesen werden, oder sollten sie gemäß 1 Kor 5,5 ausgeschlossen werden?
A: Beides ist Teil des Prozesses, doch man muss den Unterschied zwischen Zurechtweisung und Verweis verstehen. Zurechtweisung bedeutet, jemanden darauf hinzuweisen, dass er etwas Falsches tut, wenn er sich dessen nicht bewusst ist, und sie bedeutet auch, jemandem zu helfen, der in einer Sucht verstrickt ist und um Hilfe gebeten hat. Ein Verweis ist eine erneute Warnung an jemanden, der wissentlich weiterhin Unrecht tut.
Ein Gemeindemitglied sollte in Demut zurechtgewiesen werden, wenn es unbeabsichtigt Unrecht tut oder um Hilfe bittet. Ein Gemeindemitglied sollte zurechtgewiesen und anschließend ausgeschlossen werden, wenn es in seiner Rebellion verharrt.
F: Was wissen wir in Tit 3,12 über die Stadt Nikopolis?
A: Paulus wollte dort überwintern, bevor er nach Dalmatien reiste (2. Timotheus 4,10); im heutigen Kroatien und Bosnien war dies die bedeutendste der Städte namens Nikopolis. Diese Nikopolis war ein großer Hafen in Epirus an der Westküste Griechenlands (im heutigen Griechenland). Sie wurde „Nikopolis“ genannt, was „Stadt des Sieges“ bedeutet, da Octavian (der spätere Kaiser Augustus) die Stadt gründete, nachdem er Marcus Antonius im Jahr 31 v. Chr. in der Seeschlacht in der Bucht von Actium in der Nähe dieses Ortes besiegt hatte. Es gab noch sechs weitere kleinere Städte namens Nikopolis in Kilikien und Thrakien, doch dies ist die einzige Hafenstadt, die auf der Route des Paulus gelegen hätte.
Da Paulus gerade überlegte, wo er überwintern sollte, deutet dies darauf hin, dass er zum Zeitpunkt der Abfassung des Titusbriefes kein Gefangener war.
Nikopolis war eine strategisch wichtige Stadt für den Vorstoß nach Dalmatien. In Titus3:12 bat Paulus Titus, ihn in Nikopolis zu treffen, und in 2. Timotheus4:10 sagt Paulus, dass Titus nach Dalmatien gereist sei. Dieser Hinweis deutet darauf hin, dass der 2. Timotheusbrief nach dem Titusbrief verfasst wurde.
F: Wer war Zenas, der Rechtsgelehrte, in Tit 3,13?
A: Wir kennen Zenas ausschließlich aus diesem Vers. Der Name könnte eine Kurzform von Zenodorus oder Zenodotus sein. Einer der ersten Bibliothekare der Bibliothek von Alexandria, lange vor dieser Zeit, hieß Zenodotus. Der Name könnte „Geschenk des Zeus“ oder „Geber des Zeus“ bedeuten, d. h. der Weisheit des Zeus. Da sich sein Name „ “ also auf Zeus bezog, war er mit ziemlicher Sicherheit Grieche und kein Jude, Römer oder Ägypter. Rechtsanwälte arbeiteten damals wie heute: Sie vertraten Mandanten vor Gericht und setzten Urkunden auf. Es gab einen berühmten Gerichtsfall, in dem ein Anwalt, nachdem er erfolgreich für einen Mandanten plädiert hatte und dieser sich weigerte, ihn zu bezahlen, am nächsten Tag zurückkehrte und gegen den Mandanten plädierte.
Weitere Informationen finden Sie unter https://www.abarim-publications.com/Meaning/Zenas.html.
F: Wie können wir in Tit 3,14 „lernen“, gute Werke zu tun oder uns ihnen zu widmen?
A: Manche guten Werke fallen Ihnen vielleicht nicht ganz so leicht; möglicherweise müssen Sie sich ändern. Sie können sie sich zur Gewohnheit machen, indem Sie sie regelmäßig praktizieren. Ich hatte über einen langen Zeitraum hinweg mit jemandem gesprochen, der später Christ wurde, und diese Person beschloss, eine Babyparty für eine Kollegin zu veranstalten. Sie waren keine engen Freunde, und die Kollegin konnte nichts für sie tun, aber niemand sonst würde eine Babyparty für sie ausrichten. Wie sie nach der Feier sagten: „Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich etwas Gutes für jemand anderen getan habe!“
F: Wer sind hier in Tit 3,14 „unsere Leute“?
A: Damit sind Mitchristen gemeint, unabhängig von ihrer Rasse, ihrer ethnischen Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrem Vermögen oder ihrer sozialen Stellung. Paulus forderte die Gläubigen nicht auf, die Welt dazu zu drängen, gute Werke zu tun, aber er forderte sie gewissermaßen dazu auf, „unsere Leute“, also andere Christen, dazu anzuspornen, gute Werke zu tun.
F: Wo befand sich Paulus in Tit 3,15, als er den Brief an Titus schrieb?
A: In Vers 15 finden wir einen Hinweis. Paulus sagt: „Alle, die bei mir sind“, was er nicht gesagt hätte, wenn er sich inmitten einer großen Gruppe von Menschen in einer Ortsgemeinde befunden hätte. Paulus war also wahrscheinlich auf Reisen, und die Menschen, die bei ihm waren, waren seine Begleiter. Wir vermuten, dass er sich in der Gegend von Korinth aufhielt.
F: Was ist in Tt 3 der wichtigste Nutzen des Titusbriefes für uns?
A: Sie können durch das Lesen des Titusbriefes lernen, gottesfürchtiger zu sein, aber dennoch den Kernpunkt verfehlen. Der Kernpunkt ist nicht, wie man selbst gottesfürchtiger wird, sondern vielmehr, wie man anderen Gläubigen helfen kann, gottesfürchtiger zu werden. Der Titusbrief ist ein Buch für Pastoren. Doch alle reifen Christen, Männer wie Frauen, sollten in gewisser Weise Pastoren sein, auch wenn wir vielleicht keinen formellen Beruf als Pastor ausüben. Wir sollen Pastoren sein und dabei helfen, unsere Familie, jüngere Gläubige in der Gemeinde sowie Christen und Nichtchristen, denen wir begegnen, zu leiten. Diese Fähigkeit – ein guter Pastor zu sein – ist keine Fähigkeit, die jüngere Gläubige unbedingt benötigen oder besitzen, sondern etwas, das wir entwickeln sollen, während wir im Herrn reifen.
F: Woher wissen wir, dass Paulus den Brief an Titus tatsächlich verfasst hat?
A: Das geht aus Titus 1,1 hervor, und die Urkirche hat nie in Frage gestellt, dass Paulus den Titusbrief verfasst hat. Clemens von Alexandria erwähnt in den „Stromata“ (193–202 n. Chr.), Buch 1, Kapitel 14, Seite 313, dass Paulus den Titusbrief verfasst hat. Paulus schrieb den Brief an Titus nach dem Jahr 64 n. Chr.
F: Woher wissen wir im Fall des Titusbriefes, dass das, was wir heute vor uns haben, eine zuverlässige Überlieferung dessen ist, was ursprünglich geschrieben wurde?
A: Dafür gibt es mindestens drei Gründe.
1. Gott hat in Jesaja 55,10–11; Jesaja 59,21; Jesaja 40,6–8; 1. Petrus 1,24–25 und Matthäus 24,35 versprochen, sein Wort zu bewahren.
2. Zeugnisse der frühen Kirche. Die Schriftsteller der frühen Kirche bis zum Ersten Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) zitierten etwa 22 Mal aus dem Titusbrief, Anspielungen nicht mitgerechnet. Sie zitierten 33 % des Titusbriefes, wobei Teilverse als Bruchteile gezählt wurden. Das sind 15,04 von insgesamt 46 Versen.
Hier sind die elf vor-nikänischen Autoren, die sich auf Verse aus dem Titusbrief bezogen.
Clemens von Rom (96–98 n. Chr.) zitiert die Hälfte von Titus 3,1b: „Ihr habt niemals eine gute Tat verweigert, da ihr ‚zu jedem guten Werk bereit‘ wart.“ (6 von 13 Wörtern) 1. Clemens, Kap. 2, Band 1, S. 5
Clemens von Rom (96–98 n. Chr.): Das Verzeichnis der „Ante-Nicene Fathers“, Band 1, enthält zudem Verweise auf Titus 1,2 und „2:14 “, doch handelt es sich hierbei um sehr vage Anspielungen.
Ignatius von Antiochia (ca. 110–117 n. Chr.) spielt auf Titus 1,2 an: „vor Anbeginn der Zeit“. Ignatius’ Brief an die Magnesier, Kap. 6, S. 61
Irenäus von Lyon (182–188 n. Chr.) zitiert einen Teil von Titus 3,10 und gibt an, dass dieser von Paulus stammt. Irenäus, „Gegen die Häresien“, Buch 1, Kap. 16.3, S. 341
Der Muratorische Kanon (170–210 n. Chr.), ANF, Band 5, S. 603, erwähnt den Brief des Paulus an Titus sowie die anderen zwölf Briefe des Paulus.
Clemens von Alexandria (193–202 n. Chr.) zitiert Titus 1,12–13 als Worte des Paulus aus dem Titusbrief. In den „Stromata“, Buch 1, Kapitel 14, S. 313
Tertullian (206/207 n. Chr.) erwähnt in den „Fünf Büchern gegen Marcion“, Buch 5, Kapitel 21, S. 473, zwei Briefe an Timotheus und einen an Titus
Tertullian (198–220 n. Chr.) spielt auf Titus 3,10–11 an und bezeichnet es als „an Titus gerichtet“ in „Über die Vorschrift gegen die Häretiker“, Kap. 6, S. 245
Hippolyt (222–235/6 n. Chr.) zitiert die Hälfte von Titus 2,13. „Abhandlung über Christus und den Antichrist“, Kap. 65, S. 219
Origenes (um 240 n. Chr.): „Aber Paulus, der Apostel aus Israel, der nach der Gerechtigkeit des Gesetzes untadelig ist, sagt“ und zitiert Titus 3,3. „Predigten über Jeremia“, Predigt 5, Kap. 1, S. 41 (übersetzt von Hieronymus)
Novatian (250–257 n. Chr.) zitiert den gesamten Text aus Titus 1,15. „Über die jüdischen Speisen“, Kap. 5, S. 648.
Cyprian war von ca. 248 bis zu seinem Märtyrertod im Jahr 258 n. Chr. Bischof von Karthago. Er zitiert aus dem Titusbrief, den er einfach als „An Titus“ bezeichnet, in den „Abhandlungen des Cyprian“, Abhandlung 12, drittes Buch, 78, S. 552.
Cyprian von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.) erwähnt, dass Paulus den Epheserbrief, den Ersten Brief an Timotheus und den Titusbrief verfasst habe, in den „Abhandlungen des Cyprian“, Abhandlung 12, drittes Buch – „Zeugnisse“, Kap. 70–78, S. 552.
Dionysius von Alexandria (246–265 n. Chr.) zitiert Titus 3,10 als von Paulus stammend. „Kommentar zum Prediger“, Kap. 3,9, S. 114
Über 35 Autoren nach dem Konzil von Nicäa
Eusebius von Caesarea (318–339/340 n. Chr.)
Athanasius von Alexandria (367 n. Chr.) listet die Bücher des Neuen Testaments im Festbrief 39, S. 552, auf
Der Cheltenham-Kanon (= Mommsen-Katalog) (ca. 360–370 n. Chr.) verweist auf den Titusbrief
Hilarius von Poitiers (355–367/368 n. Chr.) zitiert Titus 1,9–10 als Werk des „seligen Apostels Paulus“ in „Über die Dreifaltigkeit“, Buch 8, Kap. 1, S. 137
Die „Synopsis Scripturae Sacrae“ (350–370 n. Chr. oder 5. Jahrhundert) erwähnt den Brief des Paulus an Titus als Teil des Neuen Testaments. Sie zitiert Titus 1,1–2a.
Der Schismatiker Luzifer von Cagliari/Calaris (370/371 n. Chr.) bezieht sich auf Titus 1,10
Ephraim der Syrer (350–378 n. Chr.)
Basilius von Kappadokien (357–378/379 n. Chr.)
Die Synode von Laodizea (in Phrygien) (343–381 n. Chr.) listet in Kanon 60, S. 159, die Bücher des Alten und des Neuen Testaments auf. Kanon 59, S. 158, besagt, dass in der Kirche nur die kanonischen Bücher des Alten und des Neuen Testaments gelesen werden dürfen.
Ambrosiaster (nach 384 n. Chr.) bezieht sich auf Titus 1,4.10 (3,1)
Cyrill von Jerusalem (ca. 349–386 n. Chr.) zitiert in Vorlesung 1.2, S. 104, Titus 2,11 als von Paulus stammend
Ambrosius von Mailand (370–390 n. Chr.) zitiert den gesamten Vers Titus 2,1 als vom Apostel stammend. „Pflichten des Klerus“, Buch 1, Kap. 10, S. 6
Gregor von Nazianz (330–391 n. Chr.) zitiert einen halben Vers aus dem Titusbrief
Pacian von Barcelona (342–379/392 n. Chr.)
Amphilochius, „Iambi ad Seleucum“ (–394 n. Chr.), bezieht sich auf den Titusbrief
Gregor von Nyssa (ca. 356–397 n. Chr.) erwähnt Titus 2,13 als „Schreiben an seinen Jünger Titus“ in „Gegen Eunomius“, Buch 11, Kap. 2, S. 232
Gregor von Nyssa (ca. 356–397 n. Chr.) bezeichnet Titus 2,9 in seinem Werk „Gegen Eunomius“, Buch 2, Kapitel 14, S. 130, als vom Apostel verfasst
Didymus der Blinde (398 n. Chr.) bezeichnet Titus 1,5–9 als vom Apostel an Titus gerichtet. Kommentar zu Sacharja 8, S. 162
Das syrische „Buch der Stufen“ (Liber Graduum) (350–400 n. Chr.) zitiert einen halben Vers aus dem Titusbrief
Der syrische Katalog der St.-Katharina-Kirche (ca. 400 n. Chr.) erwähnt den Titusbrief.
Epiphanius von Salamis (360–403 n. Chr.) erwähnt den Brief an Philemon, den Hebräerbrief, die beiden Briefe an Timotheus, den Brief an Titus, den Römerbrief, den Galaterbrief, den Philipperbrief und den Epheserbrief. „Panarion“, Abschnitt 3, aus den Scholien 1 und 5, S. 334
Papst Innozenz I. von Rom (ca. 405 n. Chr.) erwähnt den Titusbrief.
Rufinus’ Kommentar zum Apostolischen Glaubensbekenntnis (374–406 n. Chr.) bezieht sich auf die Briefe des Paulus, womit auch der Brief an Titus gemeint ist.
Johannes Chrysostomos (396 n. Chr.) verfasste sechs Predigten über den Titusbrief, die erhalten geblieben sind. In der ersten Predigt erklärt er, Paulus habe den Titusbrief an einen seiner Gefährten gerichtet.
Johannes Chrysostomos (-407 n. Chr.) verfasste Kommentare zu den Briefen an Johannes, an die Römer, an die Korinther I und II, an die Galater, an die Epheser, an die Kolosser, an die Philipper, an die Thessalonicher I und II, an Timotheus I und II, an Titus, an Philemon sowie zum Hebräerbrief.
Das Konzil von Karthago (218 Bischöfe) (393–419 n. Chr.) bezieht den Titusbrief mit ein.
Hieronymus (373–420 n. Chr.) erörtert die Bücher des Neuen Testaments. Er geht dabei insbesondere auf jedes der vier Evangelien, die Paulusbriefe an die sieben Gemeinden, den Hebräerbrief sowie die Paulusbriefe an Timotheus, Titus und Philemon ein. Anschließend erörtert Hieronymus die Apostelgeschichte. Danach behandelt er die sieben Briefe von Jakobus, Petrus, Johannes und Judas. Schließlich erörtert er die Offenbarung des Johannes. Brief 53, Kap. 9, S. 101–102.
Sozomen (370/380–425 n. Chr.) bezeichnet den Titusbrief als „1:15 “ (das göttliche Wort). Sozomens „Kirchengeschichte“, Buch 1, Kap. 11, S. 247
Augustinus von Hippo (388–430 n. Chr.) sagt, Paulus habe den Titusbrief verfasst. Über die Vergebung der Sünden und die Taufe, Kap. 49, S. 33. Er verweist zudem auf Tit 2,10; 3,1
Johannes Cassian (419–430 n. Chr.) zitiert in den „Sieben Büchern“, Buch 2.5, S. 559, Titus 2,11–13 als von Paulus verfasst
Vinzenz von Lerins (um 434 n. Chr.)
Sokrates’ „Kirchengeschichte“ (ca. 400–439 n. Chr.) bezeichnet den Titusbrief als vom Apostel verfasst.
Euthalius von Sulca (ca. 450 n. Chr.)
„Speculum“ (5. Jahrhundert)
Theodoret von Kyrus (423–458 n. Chr.) bezieht sich auf den Titusbrief
Papst Leo I. von Rom (440–461 n. Chr.) bezeichnet einen Vers im Titusbrief als vom Apostel stammend
Prosper von Aquitanien (425–465 n. Chr.) bezieht sich auf Titus 3,3–5 als auf Titus
Unter den Häretikern und den apokryphen Schriften
Der enkratitische Ketzer Tatian (–177 n. Chr.) zitiert ein Viertel des Titus-Briefes1:12 : „obwohl manche sagen, die Kreter seien Lügner.“ Tatian: „Ansprache an die Griechen“, Kap. 27, S. 76
Der Ketzer Pelagius (416–418 n. Chr.) bezieht sich auf Titus 1,10; (3,15)
Der pelagianische Ketzer Theodor von Mopsuestia (392–423/429 n. Chr.)
All dies ist uns bis heute erhalten geblieben.
Der Ketzer Marcion lehnte den Titusbrief ab, ebenso wie viele andere Bücher der Bibel
3. Die frühesten uns vorliegenden Handschriften des Titusbriefes weisen zwar geringfügige handschriftliche Abweichungen auf, jedoch keinerlei theologisch bedeutsame Fehler.
S. 32 Titus 1,11–15; 2,3–8 (zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts) Der Band „The Complete Text of the Earliest New Testament Manuscripts“ enthält auf S. 124 eine Fotografie eines Ausschnitts von S. 32.
ca. 200 n. Chr. – 1968 – „Der Text des Neuen Testaments“.
S. 61 Römer 16,23.25–27; 1. Korinther 1,1–2, 2–6; 5,1–3, 5–6, 9–13; Philipper 3,5–9, 12–16; Kolosser 1,3–7, 9–13; 1. Thessalonicher 1,2–3; Titus 3,1–5, 8–11, 14–15; Philemon 4–7. ca. 700 n. Chr.
ca. 700 n. Chr. – 1968 – Der Text des Neuen Testaments.
Um 700 n. Chr. – 1975 – Aland et al., dritte Auflage.
Um 700 n. Chr. – 1998 – Aland et al., vierte überarbeitete Auflage.
Sinaiticus [Si] 340–350 n. Chr.
Der Brief an Titus ist im Vaticanus nicht erhalten
Alexandrinus [A] ca. 450 n. Chr.
Bohairisch-koptisch [Boh] 3./4. Jahrhundert
Sahidisch-Koptisch [Sah] 3./4. Jahrhundert
I Washington, D.C., 5. Jahrhundert (Titus2:10 , weitere?)
Gotisch 493–555 n. Chr.
Ephraimi Rescriptus [C] 5. Jahrhundert
Claromontanus [D] 5./6. Jahrhundert
Äthiopisch [Eth] ab ca. 500 n. Chr.
Weitere Informationen zu frühen Handschriften des Titus finden Sie unter www.BibleQuery.org/TitusManuscripts.html.